Oje, ein Nebelhut auf den Jurahöhen – und wir wollen auf dem Balmberg den Vogelzug beobachten! Zum Glück löst sich der Nebel bald auf. Als wir oben ankommen, scheint die Sonne, im Mittelland hängt ein Nebelschleier, und das Gras glänzt vom Tau. Direkt vor unserem Beobachtungsposten weiden Black-Angus-Rinder, wie uns der Landwirt, der gerade zu seinen Tieren schaut, erklärt. Auch die rotbraunen Tiere seien Black-Angus-Rinder, aber von der roten Linie, die weniger verbreitet sei.

Nun wird es höchste Zeit, Feldstecher und Fernrohr auszupacken. Kormorane fliegen, ein Pieper – welcher bleibt sein Geheimnis – zischt vorbei, Ringeltauben fliegen nordwärts. Immer wieder zieht ein Schwarm Buchfinken über die Krete. Auf den Turmfalken können wir hinabschauen, er fliegt knapp über den Weiden und Sträuchern. Einzelne Bergfinken machen sich bemerkbar.
Wenn gerade nichts Spannendes zu sehen ist, serviert uns Martina aussagekräftige Diagramme zur Intensität des Vogelzugs über die Monate und die Tageszeit. Die Singvögel fliegen bei Nacht, damit sich ihre Körper von der Anstrengung des Fliegens nicht überhitzen und um ihren Fressfeinden auszuweichen. Vögel, die segeln und die Thermik ausnützen, fliegen deshalb bei Tag.

Grafik Intensität des Vogelzugs während des Tages
Einen speziellen Fund kann sie uns präsentieren: Einen Speiballen von einem Storch! Was uns so ein Speiballen alles erzählt: Störche fressen unter anderem auch Würmer und verschlucken damit auch Erde, die unverdaulich ist. In diesem Jahr sind die Würmer wegen der Trockenheit tief im Erdboden und für die Störche unerreichbar. Daher nehmen sie auch Käfer und andere Insekten. Deren Chitinpanzer ist ebenfalls unverdaulich. Ähnlich wie zum Beispiel das Gewölle der Eulen würgen sie das Unverdauliche als Speiballen aus.

Langsam vergrössert sich unsere Gruppe, neue Vereinsmitglieder kommen dazu. Immer wieder fragen uns Wanderer und Spaziergänger, was wir da sähen. So können wir auf den Vogelzug aufmerksam machen. Vielleicht schaut ja der eine oder die andere etwas aufmerksamer in den Himmel!
Gegen Mittag tauchen die Greife auf, die die Thermik nutzen: Milane, Mäusebussarde und ein Sperber. Sogar fünf Kernbeisser können wir beobachten. So kommt eine Sammlung von über 20 Arten zusammen.
Ein abwechslungs- und lehrreicher Anlass!
Text und Bilder: Ruth Macauley
