Trockenmauer auf dem Propstenberg

Exkursion zur Trockenmauer auf dem Propstenberg

13.06.2026

Treffpunkt in Welschenrohr. Der Bus, der uns nach Hinter Brandberg transportieren soll, steht schon da. Der Chauffeur winkt ab: Nein, er fahre auf den Balmberg! Nachdem er abgefahren ist und die abgemachte Zeit erreicht ist, rufen wir ihn an. Es handelte sich um ein Missverständnis: Balmberg statt Brandberg. Nach gemütlicher Fahrt erreichen wir den Hinteren Brandberg. Hier weht der Wind noch kühl. Die Weiden sind schon ordentlich abgefressen, aber die Wegränder stehen noch in voller Pracht.

Grosser Ehrenpreis   Rundköpfige Rapunzel

Der Grosse Ehrenpreis macht mit seinem Blau dem Himmel Konkurrenz. Daneben finden wir Labkraut, Wiesen-Pippau, Rundköpfige Rapunzel oder Teufelskralle, den Alpen-Bergflachs. Den Halbparasiten Zottiger Klappertopf schauen wir uns etwas genauer an: Die Oberlippe deutlich grösser als die Unterlippe, die Kelchblätter dicht behaart. Noch genauer nehmen wir - im wahrsten Sinne des Wortes! - die Witwenblume unter die Lupe: Sie sieht doch aus wie ein Korbblütler, also wie eine Sonnenblume zum Beispiel. Warum sollte das nicht stimmen? Die genaue Betrachtung zeigt den Unterschied! Bei den Witwenblumen hat jede der winzigen Einzelblüten einen eigenen Kelch mit grünen Blättchen. Dieser Kelch fehlt bei den Korbblütlern, was der Vergleich mit einer Blüte des Wiesen-Pippaus zeigt.

Aufgeschnittene Witwenblume
Nach einem kurzen Stück Wald mit vielen verschiedenen Büschen und diversen Vogelstimmen gelangen wir zum alten Steinbruch, wo es ebenfalls einige botanische Schätze zu beobachten gibt.
Dann aber steht sie vor uns, die in Freiwilligenarbeit erstellte Trockenmauer des Propstenberg. Am neuen Schwimmteich wird noch gearbeitet, aber einige Wasserpflanzen sind schon gekauft und stehen mitsamt ihren Töpfen im trüben Wasser. So können wir einen kurzen Moment zuschauen, wie das Trockenmaurer-Handwerk aussieht: Schweisstreibend und komplex!
Den ökologischen Wert mit seiner Vielfalt an kleinen Lebensräumen können wir an der neuen Mauer höchstens erahnen, denn sie wird regelmässig gepflegt. Das heisst, der Saum wird gemäht und darauf wachsendes Gehölz entfernt. Etwas weiter nördlich gibt es noch eine langsam zerfallende alte Mauer, wo die Vielfalt an Pflanzen und Tieren Platz hat.

alte Trockenmauer mit integriertem Baum
Während dem Picknick entsteht auf der Weide, wo Rinder, Kühe und Kälber weiden, eine brenzlige Situation. Zwei Wanderer in Begleitung eines Hundes gehen über die Weide. Der nicht angeleinte Hund rennt in die Herde hinein. Die Kühe vertreiben ihn und rennen ihm den Anhang hinab nach. Zum Glück geschieht kein Unglück, die Wanderer erreichen heil und ganz den Ausgang zur Weide und auch der Hund kehrt zu seinen Besitzern zurück.
Jetzt wird es für die interessierte und wissbegierige Gruppe Zeit, sich auf den Abstieg zu machen. Der Harzergraben bietet zum Abschluss der gemütlichen Wanderung einen schönen Schluchtwald, eine in den Fels gehauene Strasse und spektakuläre Aussichten.

In den Fels gehauene Strasse im Harzergraben
Text und Bilder: Ruth Macauley