Kleine Schafherde

Kantonale Frühlingsexkursion in Bolken

31.05.2026

Bolken – was kann Bolken dem Naturfreund bieten? Schliesslich handelt es sich um intensiv genutztes Landwirtschaftsgebiet. Lassen wir uns überraschen!
Wegen den hohen Temperaturen beginnt der Anlass mit der Hütehundevorführung. Die beiden Border-Collies von Caroline und Patrick Meier sprinten voraus und warten vor einer umzäunten Weide. Kaum durch das Tor geschlüpft, legen sie sich an ihren Platz neben dem Zaun. Nun beginnt eine faszinierende Zusammenarbeit von Mensch und Tier, kommentiert von Patrick. Die Schafe sind am uns und den Hunden gegenüberliegenden Ende der Weide. Auf Carolines Kommando rast einer der Hunde auf die Herde zu, umkreist sie und treibt sie, gelenkt von Pfeifsignalen in die gewünschte Richtung. Der Hund hält immer Abstand von der Herde und lenkt sie durch sein Auftauchen je nach Verhalten der Schafe links oder rechts von der Herde. Im Team schaffen die beiden Hunde sogar das Halbieren der Herde. Ihr Gehorsam ist unbedingt. Ein Wow und ein Applaus branden auf.

Kleine Schafherde  Bordercollie


Nun werden vier Gruppen gebildet, die drei Posten besuchen. Unsere Gruppe geht zu Caroline in den fast leeren Stall, in dem Rauchschwalben ein- und ausfliegen. Thema ist die Alpsömmerung der Schafe. Sie sind jetzt auf einer umzäunten und behirteten Alp mit Schutzhunden. In zehn Jahren, in denen das Paar jeweils 150 Schafe sömmern lässt, ist je eines vom Wolf gerissen worden, eines an Krankheit gestorben und eines durch Steinschlag umgekommen. Das Zusammenleben mit dem Wolf gelingt – allerdings muss der entsprechende Aufwand für den Schutz der Tiere in Kauf genommen werden.
Was soll mit toten Schafen geschehen? Wenn man den Kadaver nicht schnell findet, sind die Gänsegeier bereits am Werk, ihnen folgen Füchse, Raben. Zum Schluss räumt der Bartgeier auch noch die Knochen weg. Das ist (wäre) der natürliche Ablauf. Nun darf man tote Nutztiere aus hygienischen Gründen nicht liegen lassen. Dadurch wird die Nahrungskette unterbrochen und den Geiern fehlt die Nahrung.
Danach geht es unter der Führung von Patrick aufs Feld. Das Degenmoos wurde wie viele andere auch drainiert und wird nun landwirtschaftlich genutzt. Gräser der Fettwiesen wiegen sich im Wind. Der Tunnelbau der Bahn 2000 hat das Gelände leicht modelliert.

Modelliertes Gelände im Degenmoos, Bolken

Ennet dem Bach, der das Wasser aus den Drainagerohren ableitet, liegen zwei Felder. Patrick zeigt uns zuerst das Weizenfeld, in dem die roten Mohnblumen und die leuchtend blauen Kornblumen um die Wette blühen. Da klicken die Fotoapparate! Das Feld wird nach IP-Richtlinien bearbeitet, das heisst, es werden keine Pflanzenschutzmittel verwendet. Der Boden ist deshalb mit Ackerbegleitflora bedeckt, die die Erde feucht hält. Eine robuste Getreidesorte, die hoch wachsen darf, wirft zwar etwas weniger Ertrag ab. Mit den Direktzahlungen und den Qualitätsbeiträgen sei aber das finanzielle Ergebnis eher besser als bei konventionellem Anbau.

Feld mit Ackerbegleitflora

Im gegenüberliegenden Feld wachsen Sonnenblumen. Sie benötigen nach einem Boost an Kunstdünger bei der Aussaat keine weitere Düngung. Der Boden ist krümelig und lässt Regenwasser versickern, so dass es den Pflanzen lange zur Verfügung steht. Sonnenblumen richten ihre Blütenköpfe nach der Sonne. Wie schaffen sie das? Einfach, aber raffiniert! Ihr Wachstum ist so programmiert, dass sie am Morgen auf einer Stängelseite mehr neue Zellen bilden und sich daher nach Osten neigen. Das Zellwachstum läuft im Tagesverlauf rundherum, so dass sich der Blütenkopf scheinbar dreht. Ist das Wachstum abgeschlossen und die Samenreife bleiben die Köpfe permanent nach Osten gerichtet.
Um zum letzten Posten zu gelangen, machen wir einen kurzen Spaziergang. Ein Wespenbussard lässt alle zum Himmel blicken. Ansonsten ist die Landschaft wenig spektakulär. Aber, da gibt es eine Hecke. In dieser Hecke brütet seit 2025 ein Neuntöterpaar. Seit vielen Jahren das erste Mal wieder! Neben der Hecke, die den Vögeln als Nistplatz und Vorratskammer dient, liegt eine Buntbrache, die die nötige Nahrung liefert. Hanspeter Aeschlimann erklärt uns den auf den ersten Blick unverständlichen Weg, den die Neuntöter auf dem Weg ins südliche Afrika einschlagen. Eine Hypothese besagt, dass sich diese Route im Verlaufe der Besiedlung Europas genetisch festgelegt habe.

Infotafel zum Neuntöter
Den Abschluss des Morgens bildet ein exzellentes und reichhaltiges Apéro, das Caroline mit ihren Helferinnen aufgetischt hat! Mmmh und herzlichen Dank für den tollen Morgen! 


Text und Bilder: Ruth Macauley