Äpfel gelten bei uns als einheimisches Obst. Die Apfelbäume sind auch schon sehr lange bei uns heimisch. Sie stammen aber aus Kasachstan, wo sie bereits seit über 4000 Jahren gezüchtet werden, und gaben der Stadt Almaty – Apfelstadt ihren Namen. Über die damaligen Handelsrouten gelangten sie dann zu uns.
Etwas Botanik
Holz-Apfelbäume gehören zu den Rosengewächsen. Sie sind lichtbedürftig, sonst aber robust und regenerationsfähig. Apfelbäume sind selbstinkompatibel, das heisst, sie sind auf Fremdbestäubung angewiesen.
Unterschiede Holz-Apfelbaum und Kultur-Apfelbaum
| Holz-Apfel (Malus sylvestis) | Kultur-Apfel (Malus domestica) | |
| Blüten | Blütenbecher und Aussenseite der Kelchblätter kahl oder kaum behaart | Blütenbecher und Aussenseite der Kelchblätter dicht behaart |
| Früchte | Durchmesser weniger als 4 cm, herb, sauer | Durchmesser mehr als 4 cm, süss |
| Blätter | Auf der Unterseite nur anfangs etwas behaart | Auf der Unterseite bleibend dicht behaart |
Allerdings gibt es viele Hybriden, so dass ein Baum nicht immer sicher bestimmt werden kann.
Der Apfel ist keine Frucht, sondern eine Scheinfrucht – botanisch gesehen. Zuerst also etwas Theorie. Eine Blüte besteht grundsätzlich aus meist grünen Kelchblättern, meist farbigen Kronblättern, Staubblättern und dem Fruchtblatt mit der Samenanlage. Das Teil zwischen den Kelchblättern und den Kronblättern ist der Fruchtboden.
Beim Apfel und bei der Erdbeere wächst der Fruchtboden nach der Befruchtung und nachdem die Kronblätter und Staubblätter abgefallen sind um das Fruchtblatt herum und wird fleischig und schmackhaft. Bei den Erdbeeren sieht man die grünen Kelchblätter gut, bei Apfel stellt die Fliege die Reste der Kelchblätter dar.
Die eigentliche Frucht beim Apfel ist also das Bitschgi, Gräupschi , Gigertschi oder wie das sonst noch genannt wird. Die durchsichtigen Häutchen sind das Fruchtblatt, die die braunen Samen enthalten.
Der (Holz-)Apfelbaum - Rundumversorger für Vögel
Dichte Stockausschläge bieten Rotkehlchen, Zaunkönig und Heckenbraunelle ein Heim. Die rissige Borke beherbergt Spinnen, Käfer und andere Insekten, denen kletternde Arten wie Spechte, Kleiber, Baumläufer nachstellen. In der lichtdurchlässigen Krone, die von Vögeln gut durchflogen werden kann und die oft auch reich an Totholz ist, leben fliegende Insekten, die von Schnäppern erjagt werden.
Nicht zu vergessen sind Knospen und die Blüten im Frühling, die mit ihren Pollen und dem Nektar viele Insekten anlocken. Diese sind ihrerseits wieder Futter für Neuntöter, Laubsänger, Goldammer. Gartenrotschwanz.
Im Herbst sind dann auch die Holzäpfelchen willkommen, denn sie sind vitamin- und nährstoffreich. Bis weit in den Winter hinein überdauern sie auch am Boden. Vor allem Drosseln, Grasmücken sowie Rabenvögel laben sich gern daran.
Astabbrüche und Rindenverletzungen führen bei Apfelbäumen schnell zu Hohlstellen und werden entweder von Höhlenbrütern direkt genutzt oder werden passend ausgebaut.
Streuobstwiesen, Hostetten, sind daher unverzichtbare Lebensräume.
An apple a day keeps the doctor away
Äpfel enthalten Vitamine, Vital- und Ballaststoffe sowie weitere Pflanzeninhaltsstoffe. Die meisten sitzen direkt unter der Schale. Die man deshalb mitessen sollte.
Geriebene Äpfel wirken Wunder bei Durchfall. Das darin enthaltene Pektin bindet Flüssigkeit und Giftstoffe. Weitere Ballaststoffe sorgen für eine gesunde Darmflora. Zusätzlich fördern sie die Verdauung, senken Cholesterinspiegel und Blutdruck und schützen vor Krebs.
Vielleicht sind auch die (Apfel-)Essig-Söckli bei Fieber noch bekannt.
Dass Äpfel in der Küche unverzichtbar sind, braucht hier nicht ausgeführt zu werden.
Aus der Kulturgeschichte
Als Zeichen der Verlobung haben Griechen der Angebeteten einen Apfel zugeworfen. Fing sie ihn auf, galt das als Zusage.
Ebenfalls aus dem alten Griechenland eine Apfelgeschichte mit schlimmem Ausgang: Paris soll die schönste der drei griechischen Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene erküren. Er wählt Aphrodite, die ihm die schönste Frau der Welt verspricht, ohne zu erwähnen, dass Helena bereits verheiratet ist. Paris raubt die schöne Helena und löst damit den Trojanischen Krieg aus.
Text und Bild: Ruth Macauley
