Unsere drei Ahorn-Arten (Feld-Ahorn, Spitz-Ahorn und Berg-Ahorn) gehören in die Familie der Seifenbaumgewächse. Typisch für diese Familie ist ein scheiben- oder ringförmiges Nektarpolster auf dem Blütenboden.
Hautflügler, Fliegen, Schmetterlinge, Bienen und Käfer laben sich am reichlichen Nektar und bestäuben die Blüten.
Typisch Ahorn sind auch die Spaltfrüchte mit ihren Flügeln. Viele diesen Samen keimen und werden rasch zu Jungbäumen. Diese Jungbäume können auf dem schattigen Waldboden warten, bis sich eine Lücke im Kronendach bildet, verursacht durch Holzschlag oder durch Sturm umgeworfene Altbäume, um dann mit Wachsen so richtig loszulegen.
Die Blüten sind bei unseren Ahornen meist eingeschlechtig. Auf einem Baum finden sich sowohl männliche als auch weibliche Blüten, der Baum ist also einhäusig. Die männlichen und die weiblichen Blüten eines Baum-Individuums blühen zu unterschiedlichen Zeiten Die Abfolge des Blühens variiert von Baum zu Baum: Baum A blüht zuerst weiblich, dann männlich, bei Baum B ist es umgekehrt. Mit diesem Trick wird die Selbstbestäubung vermieden.

Ahorn-Früchte sind Nahrung für viele Vögel (Kleiber, Meisen, Kernbeisser, Finken). Vögel und Mäuse ritzen gelegentlich die Rinde des Ahorns an, um an den süssen Saft zu gelangen. Reh, Hirsch, Gämse, Baumschläfer fressen die Blätter und das Eichhörnchen schmaust Knospen und Samen. Im Frühling sind bei Bienen auch Pollen als Eiweissspender, der Nektar als Energielieferant beliebt. Da ist dann ein lautes Summen zu hören.
Teerfleckenkrankheit
Oft haben die Blätter schwärzliche Flecken. Dies stammen von einem Schlauchpilz, der eben die Teerfleckenkrankheit hervorruft. Fallen die Blätter im Herbst zu Boden, ernährt sich der Pilz durch den Abbau des Blattgewebes und bildet winterfeste Überdauerungsorgane und Sporen aus, die im nächsten Jahr vom Boden aufsteigen und den Baum neu besiedeln.
Die Zuckerbäume
Alle Ahornbäume zeichnen sich durch einen hohen Zuckergehalt aus. Unsere einheimischen Ahorne werden aber nicht mehr genutzt, da sie zu wenig ergiebig sind. Der Ahornsirup, den man bei uns kaufen kann, stammt von kanadischem Zucker-Ahorn (Acer saccharum).
Um Ahornsaft zu gewinnen, wird der Stamm angebohrt und der Blutungssaft aufgefangen. Diese Technik wurde auch bei uns seit dem Mittelalter praktiziert. Der gewonnene Saft wurde zu Sirup verarbeitet, diente als Gärungshilfe zur Mostbereitung.
Der Ahornsirup ist ein Gemisch aus verschiedenen Zuckerarten, geringen Mengen von Eiweiss und Mineralstoffen. Er ist ein sehr gesundes Süssungsmittel und wird als Brotaufstrich, zum Backen, zur Herstellung von Süsswaren eingesetzt.
Der Berg-Ahorn im Volksglauben und in der Geschichte
Traditionell steht der Ahorn für Ruhe, Gelassenheit und Harmonie. Er vertrieb Hexen und böse Geister, sollte Hoffnungen und Träume erfüllen. Er wurde daher oft als schützender Hausbaum in der Nähe der Gehöfte angepflanzt
Ägyptische Priester nannten den Ahorn bereits 1600 v.Chr. als eine der wichtigsten Heilpflanzen. Auch Hildegard von Bingen erwähnt den Baum. Überall, wo am Körper krankhafte Hitze entstanden war, wurde Ahorn als kühlende Auflage verwendet.
Als erste Hilfe kann man Ahornblätter auf Insektenstiche oder auf müde, geschwollene Füsse auflegen.
Das Trojanische Pferd soll aus Ahornholz gefertigt gewesen sein.
Der Schwurbaum von Trun
Der bekannteste Berg-Ahorn, der Schwurbaum, steht in Trun. Unter seiner Krone tagte die Landsgemeinde. Im März 1424 gelobten einige Dorfschaften, dem Grauen Bund die Treue zu halten. (Der Graue Bund ist einer der drei Bünde Grau-bündens!) Die Gemeinden einigten sich mit ihren Feudalherren und Klöstern auf ein Ende ihrer Dauerfehden. Alle zehn Jahre sollte der Schwur unter dem Ahorn von Trun wiederholt werden. Tatsächlich trafen sich die Grau-Bündner über mehrere Jahrhunderte unter ihrem Schwurbaum, bis Ende des 18. Jahrhunderts das freie Graubünden der Schweiz als Kanton beitrat.
Der Baum lebte bis 1870, bis ihn ein Sturm umwarf. In einer Trauerprozession trugen die Truner den Stamm in den Gerichtssaal in Chur. Seit etwa 130 Jahren wächst am ursprünglichen Platz ein neuer, aus einem Steckling des Schwurbaums nachgezogener Ahorn als Erinnerung an die Eigenständigkeit dieses Volkes.
| Berg-Ahorn | Feld-Ahorn | Spitz-Ahorn | |
| Blüten | hängend | aufrecht | aufrecht |
| Frucht | spitz- oder stumpfwinklig | waagrecht gespreizt | grosser stumpfer Winkel |
| Blätter | gross, Buchten zwischen den Lappen stumpf, nie in eine Spitze ausgezogen, kein Milchsaft im Blattstiel, leidet unter Verbiss durch Wild | klein, Abschnitte stumpf oder mit einem grossen Zahn, Milchsaft im Blattstiel | Lappen lang zugespitzt, mit fein zugespitzten Zähnen, Milchsaft im Blattstiel |
| Standort | höhere Lagen, eher feucht, frosthart, kommt gut mit Verletzungen zurecht | Hecken, Feldgehölze, erträgt Trockenheit, profitiert vom Klimawandel |
erträgt Trockenheit und Frost, ist wärmebedürftig
|

Text und Bilder: Ruth Macauley
