Kaum eine andere Pflanze verkündet das Ende des Winters schöner als der Huflattich (Tussilago farfara). Jetzt jubelt der Zilpzalp im Quartier, vielleicht singen auch schon die Amseln in der Morgendämmerung: das ist die Zeit des Huflattichs oder des Zytröselis.
Mit Rosen hat der Huflattich allerdings nicht viel zu tun, obwohl er in die grosse Familie der Korbblütler oder Rosaceae gehört. Im Zentrum der Blüte findet man etwa 30 männliche Röhrenblütlein umkränzt von vielen, vielen auffälligen, weiblichen Zungenblüten, die den früh im Jahr fliegenden Schwebfliegen und Bienen den Weg weisen. Bei grosser Kälte und in der Nacht ist die gelbe Pracht geschlossen.
Nach der Bestäubungszeit fallen die männlichen Blüten ab und es entsteht in der Mitte der Blüte eine «Glatze» oder «Mönchstonsur», während der Blütenstiel sich kräftig weiter streckt, damit er zur Reife der Samen die nun heranwachsenden Blätter überragt und die Samenschirmchen so vom Wind in alle Richtungen verstreut werden können.
Die grossen Blätter können leicht mit den Blättern der Pestwurz verwechselt werden. Aber es gibt ein gutes Unterscheidungsmerkmal: Beim Huflattich haben die Zähne am Blattrand schwärzliche Drüsenspitzen, die bei der Pestwurz fehlen. Ein weiteres Merkmal sind die Leitbündel, die beim Huflattich U-förmig angeordnet sind. Dazu muss man aber einen Stängel mit dem Messer abschneiden (nicht abreissen!).

An Strassenböschungen, auf Baustellen, in Kiesgruben, auf Erdablagerungen findet man den Huflattich. Da wird er allerdings meist bald von anderen Pflanzen verdrängt. Ausdauernder sind Bestände an Bachufern und Flussläufen.
Was hat es nun mit «Mutter und Stiefmutter» auf sich? Im Russischen soll man den Huflattich Mutter und Stiefmutter nennen, weil die eine Seite der Blätter samtig und weich wie eine Mutter sind, die andere Seite lederig und dunkel wie eine Stiefmutter. Klischees leben lang! Gerade weil die Blattunterseite so weich ist, wird sie von Wanderern gern als – Klopapier benützt.
Der Huflattich ist seit alters her eine Heilpflanze, wurde und wird gegen Husten eingesetzt. Da er aber ausser schleimlösenden Substanzen auch noch leicht giftige enthält, werden huflattichhaltige Medikamente heute nur noch aus gezüchteten Kulturpflanzen, denen die Giftstoffe weitgehend weggezüchtet worden sind, hergestellt.
Text und Bilder: Ruth Macauley
