Schneeglöckchen und Märzenbecher - Stinsenpflanzen

15.02.2026

Stinsenpflanzen? Diese Pflanzen wurden vom Menschen eingeführt und überleben auch ohne menschliche Hilfe am ursprünglichen Ort und verwildern. Es sind also Kulturrelikte, sie zeigen, dass sich in dem jeweiligen Gebiet ein Garten oder Park befunden hat. Schneeglöckchen, Märzenbecher und andere Frühblüher gehören dazu.
Bei uns sind Schneeglöckchen und Märzenbecher Stinsenpflanzen und einheimische Wildarten.


  Schneeglöcklein          Märzenbecher

Schneeglöcklein                                                        Märzenbecher

Beide, das Schneeglöcklein (Galanthus nivalis) und der Märzenbecher (Leucojum vernum), gehören in die Familie der Narzissengewächse. Beide haben eine Zwiebel als Speicher- und Überdauerungsorgan. Beide wachsen gerne in Trupps beieinander. Beide teilen eine Besonderheit: der Blütenboden ist polsterartig verdickt und enthält zuckerhaltigen Saft. Die Nektar suchenden Insekten können dieses Polster anbohren und den süssen Saft saugen. Das ist si früh im Jahr eine hoch willkommene Nahrungsquelle.

Das Schneeglöcklein mit seinen bläulichgrünen Blättern ist zuerst da. Jede Blüte befindet sich am Ende eines Stiels und ist vor dem Aufblühen von einer häutigen Blattscheide geschützt. Die Glöcklein sind dreizählig. Die drei äusseren Blütenblätter sind länger und schneeweiss, die drei inneren bilden ein kleineres Glöcklein und haben einen grünen Fleck. Diese zarten Blüten ertragen sogar Frost. Das ist auch nötig, denn das Schneeglöcklein blüht ja oft schon im Februar. Wie kommt die weisse Farbe der Blütenblätter zustande? Weiss ist doch im Schnee praktisch unsichtbar. Ursache sind Lufteinschlüsse zwischen den Zellen. Die Blüten können das UV-Licht so stark reflektieren, dass sie sich für die bestäubenden Insekten sogar vor dem weissen Hintergrund des Schnees abheben. Es sind vor allem Honigbienen, die am Pollen interessiert sind, und Schmetterlinge, die die Aufgabe des Bestäubens übernehmen. Falls es während des Blühens so kalt ist, dass keine Insekten zu Besuch kommen, geht vor dem Verblühen auch Selbstbestäubung.
So zart wie es ist, so giftig ist es! Vor allem die Zwiebel enthält Giftstoffen.

Der Märzenbecher oder Frühlings-Knotenblume wie er auch heisst, blüht etwas später als das Schneeglöcklein und hat eine seltene Verwandte, das Sommerglöckchen, das in der Schweiz praktisch nur im Maienried zu finden ist. 
Die Zwiebel des Märzenbechers liegt tief (30 cm tief) im Erdreich verborgen. Daraus wachsen schmale, dunkelgrüne Blätter. Wie beim Schneeglöcklein hängt eine, selten zwei Blüten am Stängel. Die Blüten duften nach Veilchen und haben sechs weisse Blütenblätter mit einer grünlichen, verdickten Spitze. Nektar bietet sie nur wenig. Trotzdem wird sie von Bienen und Schmetterlingen bestäubt, die es auf den eiweissreichen Pollen abgesehen haben. Gern wächst sie in Gruppen.

Text und Bilder: Ruth Macauley