Jetzt, blühende Pflanzen? Ja! Fast alle Pflanzenarten bei uns wachsen, blühen und fruchten zu einer bestimmten Zeit, sie richten sich nach den Jahreszeiten. Nicht so unsere drei Immerblüher! Auch sie haben zwar Zeiten im Jahr, in denen sie häufiger blühen. Aber wenn nicht gerade Schnee liegt, findet man immer blühende Exemplare.
Alle drei sind einjährige Pflanzen, die auf offenen Böden wachsen. Ihr Geheimnis ist ihre Fähigkeit, sowohl im Herbst als auch im Sommer zu keimen. Schauen wir sie der Reihe nach genauer an.

Das Gewöhnliche Greiskraut oder Gewöhnliches Kreuzkraut (Senecio vulgaris) gleicht dem Jakobs-Kreuzkraut, ist aber viel kleiner, nur 10 bis 30 cm hoch. Es gehört in die Familie der Korbblütler. Seine Köpfe tragen nur gelbe Röhrenblüten, keine Zungenblüten wie zum Beispiel eine Margerite.
Diese Blütenköpfe sind von einer doppelten Reihe von kleinen, in der oberen Hälfte fast schwarzen Hüllblättern gehalten.
Bestäubt wird die Pflanze von Bienen und Schwebfliegen, auch Selbstbestäubung ist möglich. Sind die Samen reif, werden sie vom Wind mit Hilfe ihres Schirmchens verbreitet. Landen die Samen am Boden und finden sie etwas Feuchtigkeit, sondern sie Schleimfäden ab und kleben sich so am Boden fest, um zu keimen. Manchmal besorgen auch Ameisen die Ausbreitung. Die Pflanze ist so für alle Fälle gewappnet. Sie ist so erfolgreich, dass sie, die aus Eurasien und Nordafrika stammt, mittlerweile weltweit verbreitet ist. Wie alle Kreuzkräuter ist sie giftig und wird meist als Unkraut bezeichnet.
Die Vogelmiere (Stellaria media), nennt man auch Hühnerdarm. So unscheinbar und oft übersehen sie ist, hat sie doch einiges drauf! Mit ihrer Anpassungsfähigkeit hat sie alle Kontinente mit Ausnahme der Antarktis erobert. Einige Tricks helfen ihr dabei.
Eine Flachwurzel sorgt dafür, dass sie auch in der kleinsten Ritze wurzeln kann. Dann hat sie am Stängel eine von oben nach unten laufende Haarlinie. Diese ist das charakteristische Erkennungsmerkmal und hilft bei der Wasserversorgung. Entlang dieser Linie laufen Tautropfen zum nächsten Blattpaar, wo etwas Wasser aufgenommen wird, dann weiter bis schliesslich zu den Wurzeln.
In den Kapselfrüchten reifen bis zu 15 000 Samen pro Pflanze, die einfach zu Boden fallen. Manchmal werden die Samen durch Ameisen verschleppt. Abgerissene Stängelteile können Wurzeln austreiben und neue Pflanzen bilden. Frisch bearbeitete Böden kann sie rasch mit einem Teppich überziehen. Daneben ist sie auch noch Raupenfutter für diverse Schmetterlinge.
Als Besonderheit zeigt es die Pflanze an, wenn sie schläft: Die Blätter haben eine Schlaf- und eine Wachstellung! Die Blüten öffnen sie bei trockenem Wetter gegen 9 Uhr und schliessen sich am Abend wieder. Ist die Witterung feucht, bleiben die Blüten geschlossen.
Die Vogelmiere begleitet den Menschen schon seit der Steinzeit und ist bei Gärtnern höchst unbeliebt, gerade weil sie so ausbreitungsstark ist. Zudem ist sie resistent gegen viele Herbizide, also fast nicht auszurotten im Garten. Eine Überlieferung sagt, dass man sie an Johanni (Sommersonnenwende) während des Mittagsläutens an allen vier Ecken des Hauses ausjäten müsse, wenn man sie loswerden wolle. Wer will, darf das gern ausprobieren!
Daneben ist sie aber durchaus nützlich in der Landwirtschaft. Mit ihrem teppichartigen Wuchs schützt sie in Weinbergen zum Beispiel die Erde vor Austrocknung, im Winter vor extremer Kälte und vermindert die Erosion. Ganz schön hilfreich!

Das Einjährige Rispengras (Poa annua) ist sicher das am weitesten verbreitet Süssgras, sogar in der Antarktis kommt es vor als einzige Blütenpflanze, die sich vermehren kann! Dort wurde sie 1953 gefunden. Obwohl klein und unscheinbar kann das Einjährige Rispengras fast überall wachsen, zum Beispiel in Pflastersteinritzen, Trittfluren, aber auch in Gärten und Äckern, manchmal sogar in Weiden. Das Vieh frisst das Einjährige Rispengras nicht, da es zu klein ist und die Tiere das höher wachsende Gras abfressen. Ein klarer Überlebensvorteil!
Statt farbige Blüten bildet das Einjährige Rispengras das ganze Jahr über kleine Ähren wie beim Getreide. Dabei sind die unteren Blüten zwittrig, die oberen ein bis zwei weiblich. Die Bestäubung erledigt der Wind. Das ist besonders im Winter, wenn kaum Insekten fliegen, praktisch. Den Grasallergikern allerdings verlängert es in warmen, schneefreien Wintern die Leidenszeit, weil es halt ganzjährig blühen kann.
Die reifen Samen sind nur etwa 0,3 Milligramm schwer – oder leicht! Sie werden meist durch Tritte ausgebreitet, aber auch Vögel oder der Winde können dabei helfen.
Als einjährige Pflanze lebt sie nicht lange, trotzdem ist sie bei Gärtnern und Spielrasenverantwortlichen unbeliebt: Eine Pflanze entfern, drei neue wachsen nach.
Text und Bilder: Ruth Macauley
