Die Christrose - die Frühblühende

15.12.2025

Die Christrose gehört in die grosse Familie der Hahnenfussgewächse und ist das ganze Jahr grün. Die lang gestielten Blätter sind handförmig geteilt, lederig und gezähnt. Unter der Erde befindet sich ein schwarzes Rhizom (Speicherorgan) und schwarze Wurzeln.
Bei uns kommt sie wild nur im Südtessin vor, manchmal findet man sie auch bei uns ausgewildert.
Wie bei allen Hahnenfussgewächsen ist die Blütenhülle einfach (ohne Kronblätter). Der Kelch ist zu kronblattartigen meist weissen, manchmal aber auch rosafarbenen «Reklameblättern» umgebildet.
Die eigentlichen Kronblätter sind zu kleinen gelben Tütchen umgebildet, die reichlich Nektar absondern und duften. Die Blüten werden von Bienen, Hummeln, Faltern und pollenfressenden Insekten bestäubt. Wer so früh blüht wie die Christrose, muss allerdings vorsorgen. Ist es zu kalt, bleiben die Bestäuber aus. Mit gleich zwei Tricks kann die Christrose aufwarten: einerseits bleiben die Narben sehr lange befruchtbar, was die Chance auf erfolgreichen Insektenbesuch natürlich erhöht, andererseits können die Narben im Notfall auch eigenen Pollen für die Selbstbestäubung aufnehmen.
Die Christrose blüht von Dezember bis Februar.

Der spezielle Trick
Die grünen Laubblätter sterben nach der Blüte ab. Die Pflanze braucht aber noch Energie um den Samen auszubilden und zur Reife zu bringen. Um die Energieversorgung zu gewährleisten, springen die weissen Blütenblätter ein. Sie werden nach der Befruchtung grünlich und können nun Fotosynthese betreiben!
Wenn die Samen reif sind, wachsen die neuen Laubblätter heran und füllen den Speicher im Rhizom. Clever!

Vermehrung
Die Samen, die in Balgfrüchten reifen, tragen ein ölhaltiges Anhängsel und werden deshalb oft von Ameisen verschleppt. Die Ameisen beissen den Ölkörper ab und lassen den Samen fallen, weil er für die Ameisen uninteressant ist, sie haben es nur auf den energiereichen Ölkörper abgesehen.

Die Christrose als Gartenpflanze
Weil sie so früh blüht und auffällige Blüten trägt, wurde sie schon seit dem 16. Jahrhundert in Gärten gepflanzt, dies nicht zuletzt auch deshalb, weil sie als Heilpflanze genutzt wurde. Im 19. Jahrhundert entstanden durch Züchtung und Kreuzung mit der Orientalischen Nieswurz aus der Türkei neue, bunte Sorten.

Giftig und Heilpflanze – geht das?
Alle Teile der Christrose, vor allem aber die unteridischen sind stark giftig. Die Christrose heisst so, weil sie um die Weihnachtszeit blüht, dann wenn sonst kaum Blüten zu finden sind. Schwarze Nieswurz wird sie auch genannt wegen ihrer schwarzen Wurzeln.
Helleborus ist griechisch und bedeutet Nieswurz, niger schwarz.
Warum Nieswurz? Im Rhizom finden sich Stoffe, die das Niesen fördern. Und damit kommen wir zum Heilmittel. Im Altertum wurden Epilepsie und Wahnsinn durch eine Überproduktion von schwarzer Galle erklärt. Das Heilmittel dagegen? Niesen! So wurde die Christrose als Medizin gegen Epilepsie und Wahnsinn eingesetzt. Allerdings war auch die Giftigkeit bekannt: Drei Tropfen machen rot, zehn Tropfen machen tot!
Heute wird die Pflanze nur noch in der Homöopathie verwendet.

Legende
Der Heilige Martin habe sich im Exil an einer Christrose vergiftet. Dank seines Gebets aber habe er überlebt.
Die Christrose gilt (wegen der Legende?) als Symbol ewigen Lebens.

Text und Bild: Ruth Macauley