Exkursion Rossweid, Sörenberg von 19./20. Juni 2021:

Hoch- und Flachmoore (Leitung Ruth Macauley)

Die diesjährige 2-Tages-Exkursion führte uns ins Gebiet der UNESCO Biosphäre Entlebuch, in die grösste Moorlandschaft der Schweiz.

Mit der Seilbahn hinauf auf die Rossweid, wo sich der Blick öffnet auf das prähistorische Bergsturzgebiet vom Nünalpstock, ein immer noch unruhiger Hang.

Gleich nach dem Restaurant tauchten wir ein in den kühlen und dunklen Heidelbeer-Fichtenwald. Und tatsächlich: Heidelbeeren, so weit das Auge reicht!

Weitere Pflanzen sind der Vogelbeerbaum, der Wald-Schachtelhalm und unter den Heidelbeeren der Wald-Bärlapp sowie viele Farne.

Bei den Bärlappen (ebenso bei Farnen und Schachtelhalmen) erfolgt die Vermehrung über zwei Stufen: Aus den Sporen wächst ein winziges «Pflänzlein», auf dem die männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane heranwachsen. Für die Befruchtung braucht es einen Wassertropfen. Erst aus diesem «Pflänzlein» wächst dann ein neuer Bärlapp heran, der seine ersten Lebensjahre unteridisch verbringt.

Unsere nächste Station war die nährstoffreiche Feuchtwiese am Ende des Skitrassees. Hier dominieren die Sumpf-Dotterblume, die Weisse Pestwurz, die uns ihre filigranen Samenstände präsentierte, und die Trollblume.

   

Im Inneren der Trollblume fanden wir kleine Fliegen, die fast ihr ganzes Leben im Innern der Blüte verbringen. Sie sind die häufigsten Bestäuber der Trollblume, ihre Larven fressen aber auch die Samen. Offenbar bleiben aber genügend Samen übrig, so dass sich die Trollblume trotzdem vermehren kann.

Nur wenige Schritte weiter standen wir vor einem völlig anderen Lebensraum: Einem kalkreichen Kleinseggenried, einem Flachmoor.

 Entstehung Flachmoor

(Verlanden eines Gewässers, Vertorfung einer Senke oder eines Quellgebiets)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die abgestorbenen Pflanzen lagern sich am Grund ab und können wegen Sauerstoffmangels nicht vollständig abgebaut werden. Es bildet sich Torf und mit der Zeit entsteht ein Moor.

Die Pflanzen beziehen ihr Wasser vom Grundwasser und von Niederschlägen.

Unterschied zu Sümpfen: In Sümpfen fehlt der Torf.

im Flachmoor wachsen neben den Sauergräsern zum Beispiel der Alpenhelm, Wollgräser mit ihren Fruchtständen wie Wattebäusche, die Gefleckte Fingerwurz, die Mehl-Primel, aber auch das fleischfressende Alpen-Fettblatt mit seinen zarten weissen Blüten und die blau blühende Schwester, das Gewöhnliche Fettblatt. Die Pflanzen beziehen ihr Wasser vom Grundwasser und von Niederschlägen.

In höheren Lagen wird das Kleinseggenried meist beweidet, in tieferen Lagen geschnitten.

 Langsam rückten die Sonne und die Uhr vor, die Hitze und der Hunger machten sich bemerkbar. Unter Tannen konnten wir unser Picknick einnehmen und etwas ausruhen. Nach der Mittagspause galt es nur noch ein kurzes Stück Weg zurückzulegen, bevor wir vor dem Hochmoor-Bergföhrenwald standen. Viele der Berg-Föhren sind abgestorben. Der Dreizehenspecht liebt diese Wälder mit viel Totholz, in dem er Borkenkäfer sucht. Die Birkhähne nutzen das Gebiet als Balzplätze.

Ein in Essig getränktes Wattstäbchen lässt uns spüren, wie sauer dieser Lebensraum ist. Hier können nur hoch spezialisierte Pflanzen überleben.

Neben Besenheide und Zwergsträuchern wie die Rauschbeere und die Preiselbeere finden sich auch der Sonnentau, den wir leider nicht finden konnten, und die zarte, langsam wachsende Rosmarinheide.

 Aber wie entsteht so ein Hochmoor?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Flachmoor kann sich zu einem Hochmoor entwickeln, wenn sehr viel Regen fällt und daher das Nährstoffangebot zurückgeht. Die Pflanzen des Flachmoors finden keine günstigen Wachstumsbedingungen vor und bleiben in ihrem Wachstum zurück. Die genügsamen und langsam wachsenden Torfmoose können sich ausbreiten, versauern den Boden zusätzlich und verdrängen mit der Zeit die Flachmoorpflanzen völlig.

Torfmoose sind die Architekten und Baumeister der Hochmoore.

Sie haben keine Wurzeln und können bis zum 20fachen ihres Trockengewichts speichern dank Wasserspeicherzellen. Sie können ihren Wasserhaushalt aber nicht selbständig regulieren, sie brauchen also gleichmässig übers Jahr verteilte Regenfälle.

Sie entziehen dem Wasser die wenigen Nährstoffe und geben Gerbstoffe an die Umgebung ab. Wegen ihrem Stoffwechsel wird das gespeicherte Regenwasser zunehmend sauer, was das Überleben für die meisten Pflanzen unmöglich macht.

Torfmoose wachsen oben und sterben unten wegen Licht- und Sauerstoffmangel ab. Ihr Wachstum beträgt ca. 10 cm pro Jahr, durch die teilweise Zersetzung entsteht daraus ca 1 mm Torf pro Jahr. So wächst die Torfschicht jedes Jahr um ca. 1 mm und verliert mit der Zeit den Kontakt zum Grundwasser.

Über Schwarzenegg wanderten wir zurück zur Rossweid. Diejenigen, die immer noch nicht genug hatten, nahmen den Umweg über den Sonnentauweg, einen Lehrpfad mit vielen familientauglichen Stationen zum Thema Moor.

Nach dem Nachtessen ertönte ein regelmässiges Piepsen. Was könnte das sein? Zuerst vermutete Rolf eine Zwergohreule. Da das Geräusch aber deutlich vom Spielplatz herkam, musste der Sache auf den Grund gegangen werden! Nach langem Suchen identifizierten wir den Ursprung des Geräuschs unter einem Kunststoff-Deckel, den wir leider nicht aufheben konnten. Mit Hilfe einer Aufnahme mit dem Mobiltelefon versuchten wir, den Ruf zu bestimmen, liessen ihn aber noch von einem Amphibien-Spezialisten vom Karch bestätigen. Es war ein Geburtshelferkröte auch Glögglifrösch genannt.

Der Sonntag stand vor allem im Zeichen des Beisammenseins beim Wandern und der Schönheiten am Wegrand oder am Himmel. Hervorzuheben sind die Beobachtung von Gämsen mit ihren Kitzen, die vielen Wiesen- und Baumpieper die farben-prächtigen Flachmoorwiesen.

Zurück auf der Rossweid genehmigten wir uns eine Abkühlung, bevor uns das aufziehende Gewitter zur Heimreise zwang.

Ein erlebnisreiches Wochenende, das wir gerne in Erinnerung behalten!

Ruth Macauley